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Liebe Schwestern und Brüder in der Vereinigung,

Wir freuen uns sehr, Euch mit diesen Nachrichten ein Schriftstück über die Arbeit des heiligen Vinzenz mit Gefangenen vorzulegen. Dazu gibt es andere Nachrichten aus der Vereinigung.

1. DER HEILIGE VINZENZ UND GEFANGENE

Zur Zeit Vinzenz Pallottis waren die Gefängnisbedingungen im Kirchenstaat wie anderswo sehr schlecht. Gregor XVI. (1831-1846) versuchte, das Leben junger Gefangener zu verbessern, indem er Berufsschulen errichtete, um ihnen eine alternative Zukunft anzubieten. Die römischen Gefängnisse waren voll Krimineller und politischer Gefangener. Gregor und seine Minister, besonders Kardinal Luigi Lambruschini, der Beichtkind, Unterstützer, oft auch Verteidiger Pallottis und 1836 als Staatssekretär ernannt war, antworteten mit Repressionen auf den wachsenden Einfluss von Sekten, die gegen die zeitliche Macht der Päpste waren. Sie ließen Rebellen jagen und inhaftieren. Mindestens 400 warteten im Gefängnis auf ihre Verhandlung, viele wurde zum Tode verurteilt.

Pallotti empfand starkes Mitgefühl mit den Gefangenen. und zählte schon vor seiner Priesterweihe „die armen Kleinen Jesu Christi, ... viele arme Sklaven, Gefangene, Sträflinge“ zu denjenigen, die er besonders zu trösten und entlasten wünschte (Entschlüsse vor seiner Priesterweihe, 1816, OOCC X, 19-20). Seine erste Erfahrung apostolischer Arbeit mit Gefangenen machte er als junger Priester wenigstens seit 1821. So bezeugt ein Brief, den er am 28. April 1821 Msgr. Gaetano Bonanni sandte mit der Bitte eines Herrn Pietro Riccioni, dass Msgr. Bonanni ihn in den Carcere Nuove besuche (OCL I, 120). In diesem Gefängnis, das nahe der Kirche Santo Spirito dei Napoletani in der Via Giulia lag, bekam Pallotti geradezu eine Ausbildung für seine priesterliche Arbeit unter Gefangenen. Und er war der erste Priester, der dort regelmäßig predigte, Religions-unterricht erteilte und Beichte hörte. Am 21. Mai 1821 schrieb er seinem Mitarbeiter, dem Oratorianer P. Luigi Sciarra, und bat ihn, Herrn Santini zu besuchen, der auf der Krankenstation der Carcere Nuove inhaftiert sei. Am 20. September 1846 bat er ihn, die Beichte eines jungen Mannes, Vincenzo Silvio, im gleichen Gefängnis zu hören (OCL I, 122 und 228). Am 11. November 1836 schrieb er an P. Silvestro Graziani aus Frascati und bat ihn dringend, „in wirksamer Weise etwas zu unternehmen, um auf jede nur mögliche und angemessene Weise den armen Mann Lorenzo Colasanti zu unterstützen, der im Gefängnis ist“ (OCL II, 145f). Am 29. Juli 1846 schrieb ihm Filippo Coccioni, ein Vater von 14 Kindern, der in Tivoli lebte und einige Stunden wegen unbezahlter Schulden gefangengehalten worden war. Er bat Pallotti um Hilfe und um das Gebet in seinen „geistlichen und zeitlichen Bedürfnissen“. Am 6. August er erhielt eine Antwort (OCL V, 270-272).

Als Pallotti das Prokurensystem entwickelte, übertrug er die Sorge für die Gefangenen und zum Tode Verurteilten der achten Procura unter dem Schutz des hl. Bartholomäus. Ihre Mitglieder sollten sich in allen Dimensionen um die Bedürfnisse Gefangener kümmern: Seelsorge, leibliche Bedürfnisse wie Nahrung, Eintreten für ihre Rechte, Bemühen um Straferlass bei guter Führung und Bereitstellung von Anwälten. Auch sollten sie sich um die Familien der Gefangenen kümmern. Pallotti hielt jährlich mehrere Exerzitienkurse für junge Gefangene in den Gefängnissen an der Via Giulia und in den Thermen des Diocletian. Mit seinem wachsenden Ruf verlangten auch Insassen anderer Gefängnisse ihn häufig als Beichtvater. Er besuchte Inhaftierte in den Gefängnissen des Heiligen Offiziums, der Engelsburg, der Besserungsanstalt am Ripa Grande und auch Militärgefangene. Am 22. Juli 1845 schrieb er an die päpstliche Militärführung, um für den jungen Militärpolizisten Luigi Berna einzutreten, der schon 6 Monate im Zuchthaus verbracht hatte, weil er betrunken desertiert war, um seine kranke Mutter zu besuchen, und für Giuseppe Belardi, einen 17-jährigen Füsilier, der bereits 5 Monate im Zuchthaus für etwas verbracht hatte, was Pallotti für eine falsche Anklage von 3 Korporalen gegen ihn hielt (OCL V, 101-2). Es gibt eine große Anzahl Briefe, in denen Gefangene ihn bitten, für sie eine Gunst zu bewirken oder den Erlass ihrer Reststrafe zu ersuchen. Häufig verweisen sie dabei auf ihre gute Führung im Gefängnis.

In einem Brief vom 13. Januar 1838 schreibt er mit Bedauern an Tommaso Cassini, der ihn gebeten hatte, einen Gefangenen in der Engelsburg zu besuchen: „Meine Aufgaben während der Zeit der Cholera haben mich ganz davon abgehalten, die Engelsburg zu betreten. Zu meiner Überraschung und meinem Bedauern finde ich ihn nicht mehr dort: vergeben Sie mir alle Nachlässigkeit meinerseits“ (OCL II, 234). Als er feststellte, dass es im Gefängnis keine Kapelle gab, erwirkte er von den päpstlichen Behörden die Erlaubnis, einen geeigneten Ort für diesen Zweck herzurichten.

Man begann nun auch, ihn für die schmerzliche Aufgabe heranzuziehen, zum Tode Verurteilten als Priester beizustehen. Die Erzbruderschaft der Barmherzigkeit von San Giovanni Decollato leistete seit dem späten 15. Jahrhundert Verurteilten in Rom Beistand. Nach dem Verzeichnis der Hingerichteten wurde Pallotti zwischen 1835 und 1846 gebeten, zu neun verurteilten Gefangenen zu kommen, die keine Reue zeigten – in zwei Fällen auch nicht trotz der Bemühungen solch heiliger Priester wie Bernardo Clausi und Biagio Valentini (Nachfolger des hl. Gaspar del Bufalo als Generaloberer seiner Kongregation). In sieben von diesen Fällen hatte Pallotti die Freude, die Bekehrung der Gefangenen zu erleben. Solcher Beistand für die Verurteilten erforderte von ihm häufig Stunden größter Anstrengung und Hingabe. Einige änderten sich in einem Augenblick. Als er zu einem reuelosen Mann gerufen wurde, rief er in der Kapelle vor dem Mann und den Anwesenden mit eindringlicher Stimmer aus: „Lasst uns beten, dass Gott diesen armen Mann sofort mit seiner Gnade beschenkt!“ Der Mann wurde sofort bekehrt. Bei anderen brauchte es mehr Zeit. Am 8. März 1845 betrat er die Zelle von Giovanni Vannerelli, einem 26-Jährigen aus Gubbio, der eine deutsche Pilgerin, die frühere Nonne Anna Kotten, ermordet hatte und lange Zeit die Bekehrung unter Gotteslästerung und der Beteuerung seiner Unschuld verweigerte. Pallotti, der zuvor mit Vannerelli gesprochen hatte, wurde vom Marquis Sacchetti, einem Mitarbeiter, gerufen und es gelang ihm, ihn nach mehr als zwei Stunden zu Beichte und Kommunion zu führen. Angesichts seines Erfolgs bot ihm die Bruderschaft, deren Hauptschirmherr Pallottis Freund Kardinal Acton war, an, ihn zu ihrem Seelsorger zu ernennen, doch er lehnte wegen des Einkommens ab, das mit der Stelle verbunden war.

Jeder Hinrichtungstag in Rom war ein Tag der Buße und des Gebets. Plakate kündigten die Hinrichtung an und ermahnten zu Gebet, Beichte und Kommunion für den Verurteilten. Der Gefangene, dem der Tag der Hinrichtung niemals vorweg gekündigt wurde, wurde mitten in der Nacht plötzlich geweckt und in die Kapelle geführt, wo der Priester und Mitglieder der genannten Bruderschaft warteten. Während die letzteren beteten, hörte der Priester die Beichte des Gefangenen, feierte Messe und gab ihm zum letzten Mal die Kommunion. Zeigte die Person keine Reue, versuchte der Priester sie zu überzeugen, und manchmal wurde die Hinrichtung bis zum Abend verschoben, um mehr Zeit zu geben. Pallotti erlebte eine große Freude, wenn es ihm gelang, einen verurteilten Gefangenen zur Bekehrung zu führen. Eines Tages traf er Emanuele de Gregorio, sein Beichtkind und Oberst des päpstlichen Generalstabs. Unfähig, seine Freude für sich zu behalten, umarmte er ihn und erzählte ihm von seinem tiefen Glück angesichts der Bekehrung eines verurteilten Mannes.

Wenn die Zeit der Hinrichtung nahte, wurde der Verurteilte auf den Hinrichtungsplatz innerhalb des Gefängnisses geführt oder mit dem Priester auf einem Karren durch die Straßen Roms zu einem der öffentlichen Plätze gefahren, begleitet von einer Prozession aus Mitgliedern der Erzbruderschaft, Soldaten und dem Henker, die von einem bronzenen Kreuz angeführt wurde. Pallotti begleitete ein Reihe verurteilter Gefangener auf diesem Weg, entweder im Karren oder zu Fuß folgend. Nach den letzten Gebeten und dem Küssen des Kreuzes wurde der Gefangene mit der Guillotine hingerichtet.

In 1840-er Jahre wuchs Pallottis Wirken unter den Gefangenen stark an, wie es die Verhandlungen für seine Seligsprechung bezeugen. Zwei letzte interessante Punkte zu Pallotti und Gefangenen: a) Der heilige Vinzenz sah Gefangene offenbar nicht einfach als passive Empfänger der Nächstenliebe und des Apostolates anderer, sondern als eigenständig berufen, aktive Apostel im Apostolat der Kirche zu sein. Dies wird daraus ersichtlich, dass er Gefangene in der Liste möglicher Mitglieder der neu gegründeten Vereinigung des Katholischen Apostolates einbezieht, die er zwischen Sommer 1835 und 1836 entwarf (vgl. OOCC IV, S. 182 und 326); b) In einem Brief vom 17. September 1847 bat er die Mitglieder der Gesellschaft, alles nur Mögliche zu tun, doch „ohne irgendeine christliche Tugend zu verletzen“, um dafür zu sorgen, dass sein „Leib in S. Giovanni Decollato in einer der Grüfte für die Hingerichteten bestattet werde“ (OCL VI, 133).

2. TREFFEN DER NATIONALEN PROMOTOREN FÜR DIE BILDUNG IN ROM

Das zweite Treffen der Nationalen Promotoren für die Bildung der Vereinigung, das von der internationalen Bildungskommission der Vereinigung in Zusammenarbeit mit dem Kirchlichen Assistenten P. Jacob Nampudakam SAC und dem Generalsekretariat organisiert wurde, fand vom Abend des 11. Juli bis zu dem des 16. Juli im ‚Zönakulum‘, dem internationalen pallottinischen Bildungszentrum, Via Ferrari in Rom statt. Vertreter/innen aus Argentinien, Belize, Brasilien, Kanada, Kolumbien, Deutschland, Indien, Irland, Italien, Elfenbeinküste, Polen, Ruanda/DR Kongo, Slowakei/Tschechien und Ukraine nahmen teil, indes jene aus Australien, Portugal, Schweiz und den USA nicht kommen konnten; einige andere NKR/Länder haben noch keinen Nationalen Promotor. Themen waren: Überlegungen zur Natur und Wirklichkeit der Vereinigung heute und konkrete Herausforderungen, die charismatische Vision des hl. Vinzenz mit besonderem Bezug zur Bildung umzusetzen (P. Jacob Nampudakam SAC & P. Derry Murphy SAC), die Rolle des Kirchlichen Assistenten und des Nationalen Promotors für die Bildung (P. Hubert Socha SAC), zeitgemäße Modelle spiritueller Erwachsenenbildung (Dr. Susan Timoney, Katholische Universität, Washington, USA), die Rolle eines internationalen öffentlichen Vereins von Gläubigen im Werk der Neuevangeliserung (Prof. Gianni La Bella, Gemeinschaft Sant'Egidio) und die Allgemeinen Orientierungen für die Bildung in der Vereinigung von 2004 (Sr. Stella Marotta CSAC). Jede/r Vertreter/in gab einen Bericht über die Situation und besondere Herausforderung in ihrem Land. Am letzten Tag gab es einen Austausch in Sprachgruppen, wobei aus dem Feedback der Gruppen im Plenum eine Liste konkreter Vorschläge zur einführenden und Weiterbildung in der Vereinigung erstellt wurde. Wichtige angenommene Vorschläge sind: Christus als im Wort Gottes Offenbarten zum Zentrum der UAC-Bildung zu machen, was Menschen dazu führen muss, konkret an der Sendung zu den an den Rändern Lebenden teilzunehmen; die Notwendigkeit, konkrete attraktive Zönakelmodelle der Bildung zu entwickeln, wo Teilnehmende die umformende Kraft des Geistes in einer Glaubensgemeinschaft erfahren; die Priorität der Ausbildung von Formatoren, die Bildung verlässlicher Bildungsteams auf allen Ebenen, um Formatoren auf lange Sicht zu bestimmen und auszubilden; die Notwendigkeit, den zu Bildenden eine Leidenschaft für den hl. Vinzenz, sein Charisma und seine Spiritualität zu vermitteln.

P. Franziskus Twitter-Seite

* Lebensform *

 

"Die Verschiedenheit der kulturellen und nationalem Herkunft, der Lebensalter und der Veranlagungen, der Begabungen und der Fähigkeiten sind unser Reichtum. Es eint uns die gleiche Berufung zur Nachfolge und der gemeinsame Auftrag Pallottis, wenn wir auch innerhalb der Gemeinschaft verschiedene Aufgaben erfüllen". (Lebensform 91)

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"Im Zentrum unseres persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens steht Christus, der Apostel des Ewigen Vaters. Sein Auftrag formt unser Denken, unsere Spiritualität, unser Gebet, unser Tun und Leiden." (Lebensform 19)

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"Als Jüngergemeinde sind wir um Christus, den Apostel des himmlischen Vaters, versammelt. Wie die Jünger wollen wir mit Jesus leben, werden von ihm ausgesandt und kehren zurück, um unser Tun in seinem Licht zu prüfen". (Lebensform 88)

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„Es ist unser besonderes pallottinisches Charisma, bei den Laien das Wachsen im Glauben und in der Liebe zu fördern, das Bewusst sein ihrer apostolischen Berufung zu wecken und mit ihnen zusammenzuarbeiten in der apostolischen Sendung.“ (Lebensform 21)

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"Unsere Beziehungen zueinander sollen geprägt sein vo der Liebe, die alles trägt, glaubt und hofft. Diese Liebe ist ohne Überheblichkeit und Eifersucht, sie verletzt nicht, läßt sich nicht erbottern und trägt nichts Böses nach. Sie wird nicht entmutigt, sondern bleibt freundlich und geduldig. Sie freut sich mit den anderen und trägt ihr Leid mit. In dieser Liebe sollen wir einander fördern und stützen". (Lebensform 90)