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Joh 10,22-30

1. Gewissheit im Tempel. „Jetzt rede doch endlich Klartext!“ Jedem, der einmal versucht hat, eine große Entscheidung von Gottes Weisung abhängig zu machen, sind diese Worte wohl einmal in den Sinn oder gar über die Lippen gekommen. Ist man schon einmal so weit, Gott das Kommando in einer Entscheidung zu überlassen, so erwartet man immerhin, dass er sich auch deutlich dazu äußert, was Sache ist. So auch die Juden, die Jesus im Tempel zur Rede stellen wollen. Ihre Absicht scheint mustergültig: Sie sind bereit, ihm als dem Messias zu folgen; aber etwas Gewissheit dürfen sie wohl erwarten – insbesondere, weil eine Volksbewegung um einen ausgerufenen, aber so umstrittenen Messias für jeden von ihnen riskant wäre. So drängen sie Jesus in einer Seitengalerie des Tempels buchstäblich in die Ecke und nageln ihn mit einer knappen Frage fest: Bist du der Messias?

2. Eine Ecke im Tempel des Gewissens. Nicht zum ersten Mal gelangt die Schilderung des Evangeliums an einen solchen Punkt, an dem man meint, die sich angestaute Spannung werde nunmehr endlich im Showdown einer gleißenden Offenbarung gipfeln. Doch Jesus überrascht mit einer ausweichenden Antwort, die nur auf den zweiten Blick kraftvoll und entwaffnend ist. „Meine Schafe hören auf meine Stimme,“ sagt Jesus. Er belehrt sie, dass die Nachfolge nicht durch große Bekanntmachungen einsetzt, sondern durch das Vernehmen des vertrauten Rufs Gottes im eigenen Gewissen. Jener Instinkt der Schafe, die ihren Hirten erkennen; jene Feinheit im Gewissen, die Gottes leises Rufen entziffert: Das ist es, worauf wir horchen müssen, wenn wir eine Gewissensentscheidung von Gott her treffen wollen. Wenn wir hingegen, wie in dieser Szene, Gott in eine Ecke im Tempel unseres Gewissens treiben, beweist das nur, dass wir letztlich die eigenen Vorstellungen „auf höchster Ebene“ rechtfertigen wollen.

3. Das Gewissen als Tempel. Was wir Christen ohne zu zögern annehmen, nämlich, dass Jesus den Anspruch stellt, im Tempel des Gewissens seiner Zuhörer zu reden – also in jenem inneren Heiligtum, in dem der Mensch Gottes Stimme hört und nicht bloß in einem steinernen Tempel – dieser Anspruch beschwört bei jenem Gespräch im Tempel einen Eklat herauf. „Ich und der Vater sind eins,“ sagt dieser Rabbi und macht sich somit Gott gleich. Sie waren gekommen, um ihm die Messiaswürde ein für alle Mal zuzugestehen, sofern er sich nach ihren Vorstellungen verhalten würde; stattdessen offenbart er sich ihnen als Gottes Sohn, dem Vater gleichgestellt. Wenn wir bei einer Entscheidung auf die Stimme in unserem Gewissen hören wollen, dürfen wir diese also nicht verdrehen und nach dem Mund unserer eigenen Vorstellungen reden lassen. Gott das Kommando bei einer Entscheidung zu geben, bedeutet also, ihn als den eigentlichen Herrn des Tempels und sein Wort als die eigentliche Autorität des Gewissens zu verehren.

Von Br. Gabriel Wendt

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* Lebensform *

 

"Die Verschiedenheit der kulturellen und nationalem Herkunft, der Lebensalter und der Veranlagungen, der Begabungen und der Fähigkeiten sind unser Reichtum. Es eint uns die gleiche Berufung zur Nachfolge und der gemeinsame Auftrag Pallottis, wenn wir auch innerhalb der Gemeinschaft verschiedene Aufgaben erfüllen". (Lebensform 91)

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"Im Zentrum unseres persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens steht Christus, der Apostel des Ewigen Vaters. Sein Auftrag formt unser Denken, unsere Spiritualität, unser Gebet, unser Tun und Leiden." (Lebensform 19)

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"Als Jüngergemeinde sind wir um Christus, den Apostel des himmlischen Vaters, versammelt. Wie die Jünger wollen wir mit Jesus leben, werden von ihm ausgesandt und kehren zurück, um unser Tun in seinem Licht zu prüfen". (Lebensform 88)

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„Es ist unser besonderes pallottinisches Charisma, bei den Laien das Wachsen im Glauben und in der Liebe zu fördern, das Bewusst sein ihrer apostolischen Berufung zu wecken und mit ihnen zusammenzuarbeiten in der apostolischen Sendung.“ (Lebensform 21)

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"Unsere Beziehungen zueinander sollen geprägt sein vo der Liebe, die alles trägt, glaubt und hofft. Diese Liebe ist ohne Überheblichkeit und Eifersucht, sie verletzt nicht, läßt sich nicht erbottern und trägt nichts Böses nach. Sie wird nicht entmutigt, sondern bleibt freundlich und geduldig. Sie freut sich mit den anderen und trägt ihr Leid mit. In dieser Liebe sollen wir einander fördern und stützen". (Lebensform 90)