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Liturgisches

Donnerstag der 14. Woche im Jahreskreis

Mt 10, 7-15

Die Schule ist aus, die großen Ferien sind da. Und für diejenigen, die jetzt ihren Schul­abschluss in der Tasche haben, ist die Schule sogar ganz aus. Eine andere Art von Schule ist jedoch nicht aus, die geht immer weiter, die kennt keine Ferien: die Jünger­schule, die Schule unsers Herrn Jesus Christus. Denn wer zum Herrn Jesus Christus gehört, der kann jeden Tag etwas dazulernen. Das Wort „Jünger“ bedeutet dasselbe wie das Wort „Christ“, ein Jünger aber ist nichts anderes als ein Lernender, ein Schüler. Wenn ein junger Christ konfirmiert wird, dann ist sein Konfirmanden­unterricht zwar ab­geschlossen, nicht aber seine Jünger­schule. Was trug doch Jesus den Aposteln zusammen mit dem Taufbefehl auf? „Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“ (Matth. 28,19). Alles, was Jesus den Aposteln anbefohlen hat – das kann man nicht in zwei Jahre lernen, auch nicht in zwölf Jahren, sondern damit ist man sein ganzes Leben lang beschäftigt.

Jesus ist ein guter Lehrer. Das Lernen macht Freude bei ihm – auch wenn er seinen Schülern manchmal ziemlich schwere Kost zumutet. Und Jesus weiß, dass man durch praktische Selbst­erfahrung besser lernt als durch theoretische Vorträge. Nach diesem Grundsatz hat Jesus auch seine ersten Jünger unter­richtet, die Apostel; das zeigt besonders das zehnte Kapitel des Matthäus-Evangeliums. Da sendet Jesus die Zwölf probeweise aus mit dem Auftrag, das Evangelium weiter­zusagen – zunächst noch nicht zu fremden Völkern, sondern nur zu ihren Landsleuten, dem „Haus Israel“. Er schickt sie jedoch nicht un­vorbereitet los, sondern gibt ihnen ein paar Richtlinien mit auf den Weg; die sollen ihnen helfen, aus den bevor­stehenden praktischen Erfahrungen etwas Gutes mitzunehmen für ihr weiteres Leben. Der Abschnitt aus dieser Rede Jesu, den wir eben als Predigttext gehört haben, zielt darauf ab, dass sich die Jünger vor allem in zwei Bereichen einüben sollen: Verkündigen und Vertrauen. Das sind bis heute die beiden „Haupt­fächer“ in Jesu Jünger­schule: Verkündigen und Vertrauen. Lasst uns sehen, was wir im Blick auf diese beiden Hauptfächer als heutige Jünger des Herrn mitnehmen können.

Das erste Hauptfach ist das Verkündigen. Es geht dabei nicht um Gebote, auch nicht um kluge Einsichten, sondern es geht um eine einzige gute Nachricht: „Das Himmelreich ist nahe herbei­gekommen!“ So hat Jesus selbst es den Menschen zugerufen, so tat es bereits Johannes der Täufer vor ihm, und so sollen es die Apostel tun und alle Jünger. Das Himmelreich ist dabei kein Gottesstaat in dieser Welt, auch nicht irgendein Paradies in weiter Ferne, sondern das Himmelreich ist Gottes Herrschaft unter den Menschen. Diese göttliche Herrschaft ist in doppelter Weise nahe: erstens räumlich, denn so nahe der Mensch gewordene Gottessohn ist, so nahe ist auch Gottes Herrschaft; niemand, der mit Jesus lebt, braucht zu fürchten, dass Gott ihm fern ist. Und zweitens ist Gottes Herrschaft zeitlich nahe: Jesu Tod und Auferstehung standen unmittelbar bevor, und auch sein Wiederkommen in Herrlichkeit ist nicht mehr weit (allerdings nicht nach mensch­lichen, sondern nach Gottes Zeit­maßstäben). Diese Nähe von Gottes Reich sollten die Apostel damals nicht nur mit dem Mund verkündigen, sondern auch mit der Tat. Dazu gab Jesus ihnen die Vollmacht, Wunder zu tun, so wie er selbst Wunder tat. Er sagte ihnen: „Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt böse Geister aus.“ Da lernen wir etwas Wichtiges: Die Apostel sollten das Reich Gottes auf genau dieselbe Weise verkündigen, wie Jesus selbst es verkündigte. Die Apostel waren sozusagen der verlängerte Arm des Herrn.

Nun könnte einer sagen: Das geht den einfachen Christen­menschen wenig an, das war ein Spezial­auftrag Jesu an seine Apostel. Wenn man von den Wundertaten absehe, dann könne man diesen Auftrag vielleicht noch auf alle ordinierten Pastoren ausweiten, denn sie üben ja über die Zeit der Apostel hinaus das apostolische Amt aus. Ist also in der Jüngerschule das Verkündigen nicht eigentlich eher ein Wahlfach für Spe­zialisten? Die Bibel belehrt uns eines Besseren. So bezeugt der Apostel Petrus dem gesamten Gottesvolk des Neuen Bundes: „Ihr seid das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht“ (1. Petrus 2,9). Wir sehen: Das Verkündigen ist eben doch ein Hauptfach, das für alle Jünger gilt. Wir alle, gleich ob Pastoren oder Nicht-Pastoren, sollen unserer Umwelt bezeugen, dass Gottes Reich nahe ist in seinem Sohn Jesus Christus. Wir alle sollen der verlängerte Arm des Herrn sein und seine Liebe ausbreiten.

Wie das geschieht, kann freilich ganz unter­schiedlich aussehen. Die Grundlage aber finden wir in Jesu Wort: „Das Himmelreich ist nahe herbei­gekommen.“ Es müssen nicht alle predigen und es müssen auch nicht alle große Worte machen, aber alle können auf die eine oder andere Weise ihren Mitmenschen bezeugen, dass Gott uns Menschen mit großer Liebe nahe ist in seinem Sohn Jesus Christus. Wir können das tun, indem wir das einfach leben. Wir brauchen uns zum Beispiel nicht anstecken zu lassen von großer Angst und Un­zufrieden­heit, die Menschen um uns herum immer wieder erfasst. Wir leben so und wir beten so, dass wir einfach davon ausgehen: Der Herr ist nahe – komme, was da wolle; selbst der leiblich Tod kann uns nicht von ihm scheiden. Und wenn wir alt sind, dann können wir uns trotz aller Alters-Probleme freuen, weil der Tag nahe herbei­gerückt ist, an dem wir die Leiden dieser Welt hinter uns lassen und in die ewige Herrlichkeit eingehen können. Es macht einen riesigen Unterschied, ob ein alter Mensch das Ende seines Lebens vor Augen hat oder den Anfang der ewigen Seligkeit in Gottes Reich. Wer so lebt, der verkündigt ganz automatisch – einfach durch seine Art zu leben. Und sogar der frisch getaufte Säugling verkündigt: In seiner Hilflosig­keit macht er deutlich, dass keine menschlichen Voraus­setzungen erforderlich sind, um in Gottes Reich zu gelangen. Auch mit Taten der Liebe kann man Gottes Reich verkündigen, zum Beispiel wenn man sich um Kranke kümmert oder um Menschen am Rand der Gesell­schaft, den heutigen „Aus­sätzigen“. Böse Geister austreiben und Tote auferwecken, das können wir auch: Wenn Gott Gnade gibt, dann können wir nämlich dazu beitragen, dass Menschen zum Glauben finden, mit Gottes Geist erfüllt werden und so aus dem Zustand der geistlichen Todesstarre auferweckt werden. Freilich: Erzwingen können wir das nicht. Sehr oft müssen wir erleben, dass das christliche Zeugnis an vielen Menschen abperlt wie das Wasser an der Ente. Aber auch dann können wir etwas Wichtiges in der Jüngerschule lernen, nämlich dies: Wir sind nicht für das Seelenheil anderer ver­antwortlich; wir können und sollen niemanden überreden oder ins Reich Gottes zwingen. Jesus gab den Aposteln damals den Rat mit auf den Weg: Wenn ihr als meine Botschafter nicht aufgenommen werdet, dann schüttelt einfach den Staub von euren Füßen und zieht weiter.

Das zweite Hauptfach in der Jüngerschule ist das Vertrauen. Vertrauen sollten die Apostel lernen, indem sie ohne Geld, ohne Gepäck, ohne Ersatzschuhe und ohne Wanderstab unterwegs waren. Das bedeutet nun nicht, dass alle Verkündiger des Evangeliums mittellos umherziehen sollen. Auch hier gilt: Jesus will den Jüngern nicht ein bestimmtes äußerliches Verhalten anerziehen, sondern er lehrt sie, worauf es grund­sätzlich ankommt. Grundlegend wichtig ist dieses Vertrauen: Gott hat mich lieb; er hat mich durch Jesus in sein Reich aufgenommen; da wird er mich in keiner Weise hängen lassen. Das sollten die Apostel damals nicht nur theoretisch mit dem Kopf begreifen, sondern das sollten sie auf ihrer Übungs-Missions­reise wirklich erleben. Sie sollten erleben, dass das eine Paar Schuhe hält und dass Gott sie auch ohne Geld und Gepäck mit allem Lebens­notwendigen versorgt. Freilich tut Gott das meistens nicht so wie damals bei den Israeliten in der Wüste, als er es Manna regnen ließ; meistens tut er es indirekt, indem er Menschen das Herz öffnet, die dann auch ihre Hände öffnen und freudig das tägliche Brot mit denen teilen, die ihnen das Evangelium bringen. Die Apostel sollten dann nicht zu stolz sein, es anzunehmen, darum erinnerte Jesus sie an den Grundsatz: „Ein Arbeiter ist seiner Speise wert.“

Zugegeben: Es fällt uns schwer, so unmittelbar Gott­vertrauen zu lernen wie die Apostel damals. Wir müssten schon ziemlich radikal unsern Lebensstil ändern, wenn wir ohne Geld und Gepäck weiterreisen wollten auf unserer Lebensreise. Aber noch einmal: Es geht Jesus nicht um wörtliche und schematische Erfüllung seiner Anweisungen, sondern es geht ihm ums Grund­legende. Trotzdem brauchen wir nicht darauf zu verzichten, solches Vertrauen zu wagen und es dabei zu lernen. Wir müssen uns zum Beispiel nicht bis hin zum letzten Risiko absichern, und wir können auch mal was unternehmen, wo der glückliche Ausgang ungewiss ist – vor allem dann, wenn es unserm Nächsten und dem Reich Gottes dienlich sein könnte. Darum empfehle ich auch jedem Christen, mutig zehn Prozent seines Einkommens für den Bau des Reich Gottes zur Verfügung zu stellen, und zwar als Erstlings­gabe, also bevor andere Ausgaben fällig sind. Das schließt einen nennens­werten Kirchen­beitrag ein, damit die Besoldung der Pastoren gewähr­leistet ist. Auch in dieser Hinsicht wollen wir Jesu Wort beherzigen: „Ein Arbeiter ist seiner Speise wert.“ Gott sorgt schon dafür, dass die Kirche dabei keine Reichtümer anhäuft. Im Gegenteil: Wer sich ein bisschen für die Finanzen in unserer Kirche interes­siert, dem ist bewusst, dass wir da Anlass zu vielen Sorgen hätten – wenn wir nicht aus dem Vertrauen lebten. Aber der chronische Geldmangel in der Kirche ist letztlich ein Segen, denn so lernen wir doch wenigstens auf dieser Ebene, ohne „Gold, Silber und Kupfer im Gürtel“ zu reisen.

Am wichtigsten ist es aber, dass wir im Blick auf unsere geistliche Armut Vertrauen lernen: Was die Seligkeit angeht, so stehen wir als Bettler mit leeren Händen vor Gott da. Wir haben nichts an uns, was uns zum ewigen Leben absichern könnte; wir sind ganz auf Gottes Gnade angewiesen. An diesem Punkt berühren sich die beiden Hauptfächer der Jünger­schule: Das Reich Gottes, das wir verkündigen, ist ein Gnadenreich; und das Vertrauen, mit dem wir durchs Leben reisen sollen, ist letztlich ein Vertrauen auf Gottes Gnade. Allein auf diese Gnade kommt es an; aus ihr leben wir.

Von Matthias Krieser

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* Lebensform *

 

"Die Verschiedenheit der kulturellen und nationalem Herkunft, der Lebensalter und der Veranlagungen, der Begabungen und der Fähigkeiten sind unser Reichtum. Es eint uns die gleiche Berufung zur Nachfolge und der gemeinsame Auftrag Pallottis, wenn wir auch innerhalb der Gemeinschaft verschiedene Aufgaben erfüllen". (Lebensform 91)

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"Im Zentrum unseres persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens steht Christus, der Apostel des Ewigen Vaters. Sein Auftrag formt unser Denken, unsere Spiritualität, unser Gebet, unser Tun und Leiden." (Lebensform 19)

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"Als Jüngergemeinde sind wir um Christus, den Apostel des himmlischen Vaters, versammelt. Wie die Jünger wollen wir mit Jesus leben, werden von ihm ausgesandt und kehren zurück, um unser Tun in seinem Licht zu prüfen". (Lebensform 88)

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„Es ist unser besonderes pallottinisches Charisma, bei den Laien das Wachsen im Glauben und in der Liebe zu fördern, das Bewusst sein ihrer apostolischen Berufung zu wecken und mit ihnen zusammenzuarbeiten in der apostolischen Sendung.“ (Lebensform 21)

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"Unsere Beziehungen zueinander sollen geprägt sein vo der Liebe, die alles trägt, glaubt und hofft. Diese Liebe ist ohne Überheblichkeit und Eifersucht, sie verletzt nicht, läßt sich nicht erbottern und trägt nichts Böses nach. Sie wird nicht entmutigt, sondern bleibt freundlich und geduldig. Sie freut sich mit den anderen und trägt ihr Leid mit. In dieser Liebe sollen wir einander fördern und stützen". (Lebensform 90)