Besucher Zähler

17357092
Seit 2011
17357092

 

Mk 12, 1-12

Ich frage mich, wie Jesus das Gleichnis von den bösen Weingärtnern erzählen würde, wenn er direkt mit uns heutigen Menschen redete. Er könnte ja nicht wie damals davon ausgehen, dass alle normalen Leute wissen, wie man einen Weinberg bewirtschaftet. Wer weiß denn heute, wie schwer es damals war, einen Weinberg einzuzäunen – ohne verzinkte Pfosten und Maschendraht, einfach nur mit dem Naturmaterial, das Bäume und Sträucher liefern? Wer kann sich vorstellen, wie mühsam es ist, ein Becken zum Auspressen der Trauben aus dem Felsgestein zu meißeln, eine Kelter, nur mit Hammer und Meißel? Wer sieht ein, dass man in einem Weinberg einen Wachturm braucht, von dem aus Wächter darauf achten, dass keine Diebe die wertvollen Früchte stehlen? Jesus könnte auch nicht damit rechnen, dass den heutigen Hörern sofort das berühmte Weinbergs-Lied des Propheten Jesaja einfällt, das damals natürlich jeder fromme Jude kannte: das Lied, in dem Jesaja Gott mit einem Weinbergsbesitzer verglichen hat und das Volk Israel mit seinem Weinberg. Von daher wussten die Hörer damals sofort, dass Jesus ihnen hier ein Gleichnis über Gott und sein Volk erzählte.

Nein, wenn Jesus heute dieses Gleichnis erzählen wollte, dann müsste er schon sagen, dass von Gott und seinen Menschen die Rede ist. Und eigentlich müsste er das Gleichnis ganz anders erzählen, denn ein Gleichnis geht ja immer von etwas Bekanntem aus der Umwelt der Hörer aus. Vielleicht würde Jesus heute sagen: „Lasst mich den Vater im Himmel mal mit einem Restaurantbesitzer vergleichen. Mit Fleiß und Können hatte er sich ein kleines Vermögen erwirtschaftet. Und weil er ein gutes Herz hatte, wollte er mit seinem Geld arbeitslosen jungen Menschen eine Chance geben. Darum richtete er in einer anderen Stadt ein erstklassiges Restaurant ein. Er tapezierte die Räume mit teuren Tapeten und ließ eine raffinierte indirekte Beleuchtung installieren. Die Wände zierte er mit geschmackvollen Kunstwerken. Das Mobiliar war vornehm und bequem. Für die Tische besorgte er edle Decken und dazu passende Stoffservietten. Bar und Weinkeller bestückte er mit einer großen Auswahl edler Tropfen. Auf die Speisekarte kamen ganz besondere, von ihm selbst erprobte Gerichte. Dann holte sich der Mann ein paar junge arbeitslose Köche und Gastronomie-Fachkräfte, die nach vielen vergeblichen Bewerbungen die Hoffnung aufgegeben hatten, noch eine Stelle zu finden. Er zeigte ihnen, wie man die besonderen Gerichte zubereitete und wie man gut servierte. Er gab auch viele Tipps aus seinem reichen Erfahrungsschatz. Und dann schloss er einen Pachtvertrag mit den jungen Leuten: Sie brauchten keine Miete zu zahlen; nur vom Gewinn sollten sie einen angemessenen Anteil an ihn abführen. Die jungen Leute legten mit Feuereifer los, und sie hatten viel Erfolg. Der alte Herr hatte ihnen ja auch die besten Voraussetzungen mitgegeben. Schnell sprach es sich herum, dass man in diesem Restaurant hervorragend essen kann und es auch gar nicht so teuer ist. Stets speisten viele Gäste hier, und die jungen Leute machten einen erfreulichen Gewinn. Aber leider erwiesen sie sich als äußerst unzuverlässig und undankbar. Sie hielten sich nämlich nicht an ihren Pachtvertrag und steckten den gesamten Profit in die eigene Tasche. Der Besitzer erinnerte sie freundlich mit einer E-Mail, aber die klickten sie einfach weg. Er schickte einen Brief – sie zerrissen ihn. Er rief an, aber sie beschimpften ihn als Ausbeuter und sagten, er solle sie in Ruhe lassen. Er schickte einen eingeschriebenen Brief, in dem er mit seinem Rechtsanwalt drohte, aber sie verweigerten die Annahme. Schließlich sagte sich der Mann: So hat das keinen Zweck; das muss persönlich geklärt werden. Weil er selbst aber keine Zeit hatte, in die andere Stadt zu fahren, schickte er seinen Sohn. Als der die Pacht einforderte, kam es zu einem lauten Streit und sogar zu Handgreiflichkeiten. Ein Jungkoch stach mit seinem schärfsten Küchenmesser zu, und der Sohn des Eigentümers verblutete. Klar, dass die jungen Pächter dort nicht mehr bleiben durften; obendrein mussten sie sich vor Gericht verantworten und wurden angemessen bestraft. Den Restaurantbetrieb aber verpachtete der Besitzer an andere Leute.“

Ja, so könnte Jesus das Gleichnis heute erzählen. Wir würden verstehen, was für eine tolle Chance Gott uns Menschen gibt mit unserem Leben in dieser Welt. Wir würden erkennen, dass viele Menschen ihr Leben ganz eigensüchtig ohne Gott leben, so als gehörte es ihnen selbst und wäre ihnen nicht von Gott gegeben würden. Wir würden vielleicht sogar merken, dass auch unsere eigenen Herzen nicht frei sind von solchen Gedanken und dass wir Gott nicht so die Ehre geben mit unserem Leben, wie es ihm zusteht. Damit hätten wir etwas Wichtiges begriffen – und doch noch längst nicht alles, was Jesus den damaligen Juden mit diesem Gleichnis zu sagen hatte. Diese Geschichte ist nämlich eigentlich Gottes Generalabrechnung mit seinem alten Bundesvolk Israel. Er hatte dieses Volk vor allen anderen Völkern der Welt erwählt, hatte sich ihm offenbart, hatte mit ihm seinen Bund geschlossen, hatte ihm über die Maßen Gutes gegeben. Aber im Laufe seiner Geschichte ist dieses Volk immer wieder von Gott abgefallen. Gott sandte ihm viele mahnende Botschaften durch seine Propheten, aber das Gros des Volkes und die Oberen beschimpften diese Propheten, ja verfolgten und töteten sie sogar. Schließlich sandte Gott seinen Sohn, aber auch den respektierten die meisten nicht; die führenden Köpfe der Juden waren ihm sogar feindlich gesonnen und planten, ihn umzubringen. Das waren genau die Leute, denen Jesus das Gleichnis von den bösen Weingärtnern ursprünglich erzählte. Er kündigte ihnen also mit diesem Gleichnis auf den Kopf zu an, dass Gott seinen Pachtvertrag aufkündigt, dass der alte Bund mit Israel nun ein Ende findet, und dass Gott sich ein neues Volk, neue „Pächter“ suchen wird. Diese anderen Pächter sind die Heidenvölker, die Nichtjuden, die Gott durch seinen Sohn Jesus Christus in sein Reich beruft und zu seinem neuen Bundesvolk macht. Wenn wir uns das einmal klar machen, dann können wir begreifen, dass die damaligen Zuhörer Jesus am liebsten sofort um die Ecke gebracht hätten, so wütend waren sie über diese Predigt. Später haben sie es ja dann wirklich getan; auf ihr Betreiben hin endete er am Kreuz.

Nun ist das ja geschichtlich ganz interessant, aber was hat das mit uns zu tun? Es ist ja wohl ganz bestimmt nicht Jesu Absicht, dass wir als nichtjüdische Christen nun zu den Juden sagen: „Ätsch, das habt ihr nun davon, dass ihr euren eigenen Messias verworfen habt. Jetzt sind wir Gottes Volk und erben das ewige Leben im Himmel!“ Das wäre schlimm, wenn wir so dächten. Es wäre auch schlimm, wenn wir grundsätzlich über alle Nichtchristen so dächten. Vielmehr führt uns diese Seite des Gleichnisses zur Dankbarkeit. Ich denke, dass Jesus uns heute mit seinem Gleichnis die Augen öffnen kann dafür, was wir alles Gott zu verdanken haben. Es ist der Dank für Gottes neuen Pachtvertrag, für Gottes neuen Bund, der uns zu Gottes neuem Volk macht. Freilich sind es nun auch ganz neue Bedingungen, unter denen uns Gott in diesen Bund hineinnimmt. Denn Gott misst uns nicht an dem Profit, den wir als seine Pächter erwirtschaften, sondern er sieht uns eher als Gäste in seinem Restaurant an, die hier nach Herzenslust essen und trinken dürfen. Nicht einmal bezahlen müssen wir dafür; wir dürfen es uns hier gratis wohl sein lassen. Der Schlüssel zu diesen neuen Bedingungen liegt aber bei seinem Sohn Jesus Christus. Der ist zwar damals getötet worden, aber er ist auferstanden von den Toten und hat nun alle Macht in Gottes Reich übertragen bekommen. Das hat Jesus gleich nach dem Gleichnis damit angedeutet, dass er ein altes Psalmwort auf sich bezog: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden.“ Zum Eckstein, also zum wichtigsten Stein vom ganzen Gebäude.

Wenn Jesus heute direkt zu uns reden würde, dann würde er vielleicht das Gleichnis weitererzählen und sagen: „Der Sohn wurde zum Manager des Restaurants und machte alles gut. Gütig und liebevoll kümmerte er sich um seine Gäste. Keinen wies er hinaus. Auch machte er keinen Unterschied zwischen ihnen; es war ihm gleich, ob sie arm oder reich waren, jung oder alt, schwarz oder weiß. Es war ihm auch gleich, welche Sprache sie sprachen und ob sie gute Tischmanieren hatten. Alle durften bei ihm im Restauran essen und trinken, soviel sie wollten; und sie durften bleiben, so lange sie wollten. Aber wer sind sein Mitarbeiter? Ihr werdet staunen: Die Gäste selbst sind seine Mitarbeiter geworden! Sie sind so begeistert von diesem Restaurant und von seinem tollen Manager, dass sie freiwillig gern Kartoffeln schälen, Fleisch brutzeln, Flaschen entkorken, servieren, abräumen, aufräumen und sogar die Toiletten putzen. Sie tun es einfach aus Dank und Liebe für ihren Herrn, ohne nach irgendwelchem Profit zu schielen.“

Ob Jesus das Gleichnis heute so weitererzählen würde, wenn er direkt zu uns spräche? Es wäre möglich, denn so entspricht es seinem Evangelium.

Von Matthias Krieser

P. Franziskus Twitter-Seite

* Lebensform *

 

"Die Verschiedenheit der kulturellen und nationalem Herkunft, der Lebensalter und der Veranlagungen, der Begabungen und der Fähigkeiten sind unser Reichtum. Es eint uns die gleiche Berufung zur Nachfolge und der gemeinsame Auftrag Pallottis, wenn wir auch innerhalb der Gemeinschaft verschiedene Aufgaben erfüllen". (Lebensform 91)

________________

 

"Im Zentrum unseres persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens steht Christus, der Apostel des Ewigen Vaters. Sein Auftrag formt unser Denken, unsere Spiritualität, unser Gebet, unser Tun und Leiden." (Lebensform 19)

________________

 

"Als Jüngergemeinde sind wir um Christus, den Apostel des himmlischen Vaters, versammelt. Wie die Jünger wollen wir mit Jesus leben, werden von ihm ausgesandt und kehren zurück, um unser Tun in seinem Licht zu prüfen". (Lebensform 88)

________________

 

„Es ist unser besonderes pallottinisches Charisma, bei den Laien das Wachsen im Glauben und in der Liebe zu fördern, das Bewusst sein ihrer apostolischen Berufung zu wecken und mit ihnen zusammenzuarbeiten in der apostolischen Sendung.“ (Lebensform 21)

________________

 

"Unsere Beziehungen zueinander sollen geprägt sein vo der Liebe, die alles trägt, glaubt und hofft. Diese Liebe ist ohne Überheblichkeit und Eifersucht, sie verletzt nicht, läßt sich nicht erbottern und trägt nichts Böses nach. Sie wird nicht entmutigt, sondern bleibt freundlich und geduldig. Sie freut sich mit den anderen und trägt ihr Leid mit. In dieser Liebe sollen wir einander fördern und stützen". (Lebensform 90)