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Apostel heute - März 2019

Heiligkeit: Ein Weg, den wir gemeinsam gehen

Das Pallottinische Charisma – Eine Prophetische Stimme eines Neuen Zeitalters

Der heilige Vinzenz Pallotti, „Prophet für die Katholische Kirche“, ein „Neuerer und ein Heiliger eines neuen Zeitalters“. In der Tat ruft seine prophetische Stimme Bewunderung hervor, die jedem Menschen in der Kirche den gleichen Platz gibt, Apostel zu sein, je nach seinem Stand und seinen Lebensumständen. Ich bin zutiefst inspiriert und entflammt von seinem Charisma, in der Kirche „die Liebe neu zu entzünden und den Glauben wiederzubeleben“, und dies besonders als Inderin in einer Kirche, die gekennzeichnet ist von traditionellen Praktiken, die ich wahrnehme als eine Kirche, die eine besondere Betonung auf Hierarchie, Traditionen und Volksheilige legt. Das bewirkte in mir, dass ich in den Anfangsstadien meines Ordenslebens viel Verwirrung erfuhr, und ein Gefühl für das pallottinische Charisma blieb sehr umschattet in meinem Denken und in meinem Herzen. Durch meine innere und äußere 'Teilnahme an verschiedenen UAC-Treffen wurde ich inspiriert, meine Studien über Vinzenz Pallottis Leben und Charisma zu vertiefen, und meine Mitwirkung in verschiedenen pallottinischen Diensten weitete meinen Blick in die Tiefe, in das weite Meer pallottinischer Spiritualität.

Die Vereinigung des Katholischen Apostolates (UAC) ist eine innovative Lebensform, in der Menschen Jesus kennen- und lieben lernen. Die pallottinische Sendung wird tatsächlich allein durch die Liebe Gottes angestoßen. Pallotti drückt seine Leidenschaft für Gott dadurch aus, dass er Jesus, dem Apostel des ewigen Vaters, nachfolgt. Das wird sehr klar, wenn er sagt: „nicht mein Wille, sondern Gott; nicht Nahrung, sondern Gott; nicht Getränke, sondern Gott; … nicht Kleidung, sondern Gott; … Gott allein“ (OOCC X, 131). Der besondere Ruf, den ich durch das Katholische Apostolat vernahm, zeigte mir, wo dieser Gott wirklich ist, und das ist das, was mich antrieb, verwundbare Kinder, die von HIV/AIDS infiziert sind, zu umarmen. Für mich repräsentieren sie unseren verwundeten Gott in menschlichem Fleisch, in dem er uns in Person entgegentritt, ähnlich dem anfänglichen apostolischen Feuer, das Vinzenz Pallotti erlebte, als er den Kindern gegenüberstand, die von der Cholera im Rom seiner Tage betroffen waren.

2006 war die beunruhigende Zahl der von der tödlichen Epidemie HIV/AIDS Betroffenen im Distrikt von Karimnagar im Staat Telangana sehr hoch. Auch verschlang diese Epidemie das Leben Tausender im Staat Andhra Pradesh. Diese Krise wurde noch weiter verschärft durch Analphabetentum, Armut, Arbeitslosigkeit, Migration  und mangelnder Kenntnis über HIV/AIDS, Methoden für sicheren Sex und den Gebrauch unsteriler Spritzen, Nadeln usw.

Wenn sie von ihrer Krankheit erfuhren, wurden einige Menschen stark depressiv und wollten ihrem Leben ein Ende setzen. Darüber hinaus wurden sie auch von ihren Verwandten und Nachbarn diskriminiert, indem sie aus ihren Familien und ihren Dörfern verbannt wurden. Sie waren unfähig, irgendeine Arbeit zu tun und waren ihrer Grundbedürfnisse beraubt wie Nahrung, Wohnung und medizinische Versorgung. So durchlebten sie eine sehr schwere Zeit. Männer und Frauen lebten zusammen mit ihren Kindern in einer spannungsgeladenen Umgebung. Zeitweise verloren sie sogar den Glauben an die Existenz Gottes in ihrem Leben.

In dieser herausfordernden und risikoreichen Situation trieb uns das Motto Pallottis an, über eine Unterkunft für die Kinder nachzudenken, unabhängig von ihrer Kaste und ihrem Glauben. Mitten in der Choleraepidemie, ging Vinzenz, obwohl Furcht sein Herz erfasste, mit großer Liebe im Herzen voran - „Caritas Christi Urget Nos“ (2 Kor 5,14). Unsere konkrete Antwort auf diese Situation war die Eröffnung unseres HIV- Zentrums mit Namen „Krupa Bhavan“ (Haus der Gnade) im Dorf Dacharam im Jahr 2006, wo wir die Kinder, die von HIV/AIDS infiziert waren, unterbringen konnten. Die ersten Kinder, die wir willkommen hießen, litten unter Deformierungen, nässenden Wunden, Mundgeschwüren und Hautkrankheiten. Sie waren fast am Rande des Grabes. Unsere Fürsorge reichte über viele Meilen weit bis zu betroffenen Dörfern und Familien. Wenn die Kinder schließlich zu uns gebracht wurden, wurden sie mit Medikamenten, Fürsorge, Erziehung und Glaubensbildung versorgt. Priester und Laienwohltäter halfen dem Zentrum mit ihren persönlichen und materiellen Mitteln. Nach und nach wurden diese Kinder auch angenommen von unseren Dorfbewohnern und von den Schulen. Heute studieren einige von ihnen an der Universität ohne irgendeine Diskriminierung, und sie leben ein hoffnungsfrohes Leben in Jesus, unserem Herrn.

Ich weiß mit Sicherheit, dass wir all dies nicht allein tun konnten. „Da me nulla posso … Con Dio posso tutto .. Aus mir selbst kann ich nichts … aber mit Gott kann ich alles ...“ (OOCC XI, 521). Wenn wir auf den Einen hören, der uns gerufen hat, ist Er es, der alles möglich macht. Der Herr richtet neue Wirklichkeiten auf. Wir müssen dynamisch sein in den heutigen Lebensbedingungen der Welt, einer Welt, die oft in Dunkelheit versinkt. Es wird Zeit, aus den Schalen unserer Komfortzonen auszubrechen und die Rüstung von Leidenschaft und Mitleid anzulegen, eine Leidenschaft, um den Armen, Niedergetretenen, an den Rand Gedrängten, Gebrochenen, Schutzbedürftigen, Kindern, Jugendlichen, Männern und Frauen, die von Epidemien und chronischen Krankheiten belastet sind, den Sprachlosen der Gesellschaft zu dienen; lass unsere Stimme eine sein, die sie neu belebt und ihr Leben neu erweckt. Vom Beginn seines Pontifikates an hat Papst Franziskus nie aufgehört, die Priester der Welt zu ermahnen, nahe bei den an den Rand Gedrängten zu sein und „Hirten zu sein mit dem Geruch der Schafe“ (Vatikanstadt – CNS, 3. Februar 2014).

 „Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden“ (Mt 5,4) In Gaudete et Exsultate lädt Papst Franziskus uns ein, die Seligpreisungen anzunehmen als unseren Identitätsausweis als Christen (vgl. GE 63). „Mit den anderen zu trauern wissen, das ist Heiligkeit“ (GE 76). Wir leben in einer Welt, die uns herausfordert, in der Menschen ständig unter Konflikten, Stress, Spannungen und jeder Art von Missbrauch stehen können. Wir sind aufgerufen, mit den Leiden und Sorgen unserer Schwestern und Brüder Empathie zu empfinden. Heute sind wir gefordert, den Schmerz der anderen, ihre physischen und geistigen Wunden tragen zu helfen.  „Er selbst hat unsere Sünden mit seinem eigenen Leib auf das Holz des Kreuzes getragen“ (1 Petr 2,24). Die persönliche Heiligung ist das letzte Ziel der pallottinischen Vision und Mission. „Tutti santi, presto santi, grandi santi … Alle heilig … bald heilig … große Heilige“, sagt der hl. Vinzenz Pallotti. Wir sollen nicht nutzlos in einer schützenden Lebensschale stehen, sondern wir müssen den Schmerz der anderen fühlen, mit den anderen weinen können. Wie der heilige Paulus sagt: „Die Kirche ist ein Leib: Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit“ (1 Kor 12,26) Es ist höchste Zeit umzukehren, unsere Berufung zur Heiligkeit zu leben, indem wir die Leiden der anderen mittragen und das Reich Gottes aufbauen. (vgl. GE 76).

In seinem letzten Schreiben über die Skandale in der Kirche hob Papst Franziskus hervor, dass „jeder Getaufte sich eingebunden weiß in diese kirchliche und soziale Umgestaltung, die wir so sehr nötig haben“ (Brief von Papst Franziskus an das Volk Gottes (20. August 2018). Das Fundament der Vereinigung des Katholischen Apostolates ruht auf der Einheit zwischen Priestern, Ordensleuten und Laien. Die aktive Teilnahme aller Mitglieder der Kirche hilft, diese Gemeinschaft und die Unterstützung im Leib der Kirche zu bewirken, welche die vielen Übel, die die Zerstörung des Individuums verursachen, ausmerzen können. Gott erwartet unseren Einsatz in der erlösenden Sendung der Kirche. In Evangelii Gaudium ruft uns Papst Franziskus auf, die Freude des Evangeliums zu teilen. Pallottinische Menschen sind berufen, das Evangelium als die Grundregel ihres Lebens zu leben, Jesus zu kennen und bekannt zu machen, und die wahre Freude in diesem Leben zu finden.

Vinzenz spricht Maria, die Mutter Jesu, an als die Frau des Glaubens, als ein Modell der Gemeinschaft und als die Königin der Apostel, was in unseren Tagen als Neu-Evangelisiererin par excellence bezeichnet werden könnte. Das Zönakulum ist ein machtvolles Symbol dieser neuen Evangelisierung. Die Jünger vereint als ein Herz und eine Seele mit Maria, unserer Mutter. Das Zönakulum, das von Vinzenz Pallotti in Auftrag gegeben wurde, symbolisiert eine kirchliche Vision der Einheit und Gemeinschaft. Heute ist Kirche konfrontiert mit einer Vielzahl von Herausforderungen und Bedrängnissen, einschließlich Problemen ihrer eigenen Reputation, nämlich hyper-institutionell im Geist zu sein, des Macht- und Geldmissbrauchs. Die Vereinigung des Katholischen Apostolates ist ein Modell für die Kirche heute. Die kleine Kirche, die sich im Zönakulum versammelt, ist Symbol einer kirchlichen Vision der Gemeinschaft, in der alle Gläubigern sich mitverantwortlich fühlen für die Sendung der Kirche und an ihr mit gleicher Würde und gleichem Recht teilhaben. In diesem Modell von Kirche gibt es grundsätzlich keinen Anspruch auf eine leitende Stellung, sondern alle sind „gleiche unter gleichen“ (vgl. Das Charisma Vinzenz Pallottis. Ursprung, Entfaltung, Identität, 6.e., S. 50). Möge unsere Mission beherrscht sein von demselben Geist, „Gleiche unter Gleichen“ zu sein. Maria bleibt immer noch unsere Führerin, sie geht mit uns, um Jesus dieser herausfordernden Welt zu verkünden.

Jesus ist auf die Erde gekommen, um uns das Leben zu geben, das Leben in Fülle (Joh 10,10). Wir sind Posaunen des Evangeliums, berufen, jeden in die Kirche einzuladen, um gleichermaßen teilzunehmen, die unendliche Liebe Gottes den anderen zu verkünden. Durch meinen Dienst auf dem Feld der Sozialarbeit lerne ich mehr und mehr, eine authentische Pallottinerin zu sein, indem ich die Herzen der Armen und an den Rand Gedrängten entflamme. Ich folge der Regel des Lebens Jesu, indem ich den Armen Gerechtigkeit bringe im Geist von Gleichheit, indem ich die Würde und den Wert eines jeden Menschen respektiere, da jeder geschaffen wurde nach dem Bild und Gleichnis Gottes. „Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie“ (Gen 1,27).

Die Fastenzeit erinnert uns an die unendliche Liebe Gottes zu allen Menschen. Mögen wir uns selbst dazu anhalten umzukehren, sodass wir würdiger werden, ihn in unserem Leben zu haben. Das können wir nur tun, wenn der Heilige Geist kommt und unser laues und widerspenstiges Herz wegnimmt. Während die Welt oft Krankheit, Sorgen und Schmerz, die uns umgeben, ignoriert und davor flieht, schauen wir stattdessen gebannt auf Jesu Kreuz, um fähig zu werden zu vergeben, um unsere vergangenen Versäumnisse zu vergessen und um die Herzen der Menschen mit der Liebe Christi zu berühren. Auf diese Weise entdecken wir immer tiefer die wahre Bedeutung unserer pallottinischen Verpflichtung für die heutigen Herausforderungen in der Welt, in welchen Stand und welche Berufung wir auch immer gerufen sind.

Sr. Sindhu AnjIkkal CSAC,

Indien

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Segretariato Generale, Unione dell’Apostolato Cattolico

Piazza San Vincenzo Pallotti 204, 00187 Roma, Italia       Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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* Lebensform *

 

"Die Verschiedenheit der kulturellen und nationalem Herkunft, der Lebensalter und der Veranlagungen, der Begabungen und der Fähigkeiten sind unser Reichtum. Es eint uns die gleiche Berufung zur Nachfolge und der gemeinsame Auftrag Pallottis, wenn wir auch innerhalb der Gemeinschaft verschiedene Aufgaben erfüllen". (Lebensform 91)

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"Im Zentrum unseres persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens steht Christus, der Apostel des Ewigen Vaters. Sein Auftrag formt unser Denken, unsere Spiritualität, unser Gebet, unser Tun und Leiden." (Lebensform 19)

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"Als Jüngergemeinde sind wir um Christus, den Apostel des himmlischen Vaters, versammelt. Wie die Jünger wollen wir mit Jesus leben, werden von ihm ausgesandt und kehren zurück, um unser Tun in seinem Licht zu prüfen". (Lebensform 88)

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„Es ist unser besonderes pallottinisches Charisma, bei den Laien das Wachsen im Glauben und in der Liebe zu fördern, das Bewusst sein ihrer apostolischen Berufung zu wecken und mit ihnen zusammenzuarbeiten in der apostolischen Sendung.“ (Lebensform 21)

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"Unsere Beziehungen zueinander sollen geprägt sein vo der Liebe, die alles trägt, glaubt und hofft. Diese Liebe ist ohne Überheblichkeit und Eifersucht, sie verletzt nicht, läßt sich nicht erbottern und trägt nichts Böses nach. Sie wird nicht entmutigt, sondern bleibt freundlich und geduldig. Sie freut sich mit den anderen und trägt ihr Leid mit. In dieser Liebe sollen wir einander fördern und stützen". (Lebensform 90)